Stephan Kaufmann: Euro-Vision in der Krise

Widerspruch des Euro

Redner: Stephan Kaufmann
Reihe: Euro-Vision in der Krise, Rosa Luxemburg Stiftung
Ort: Berlin
Datum: 29. Janaur 2013

«Scheitert der Euro, scheitert Europa!», warnen Politiker. Aber was bedeutet dieser Satz? Schließlich gab es Europa und die EU schon vor dem Euro. Und hört man die Klagen der Politiker, so würde eine Rückabwicklung der Währungsunion viele Probleme lösen: Dann wären Staaten wie Griechenland vom deutschen Spardiktat befreit. Und Deutschland müsste nicht länger den «Zahlmeister Europas» spielen.

Im zweiten Teil der Vortragsreihe widmet sich Stephan Kaufmann den konzeptionellen Widersprüchen des Euro.

Der ökonomische Widerspruch liegt für ihn darin, dass die Eurostaaten, entgegen ihrer offiziellen Rethorik, weder Freunde noch Partner, sondern in erster Linie wirtschaftliche Konkurrenten sind. Die Nationalstaaten befinden sich trotz gemeinsamer Währung im Wettbewerb um Investoren und Kapital. Dieser Wettbewerb produziert zwangsläufig Gewinner und Verlierer, was an ökonomischen Kennzahlen wie dem Netto-Auslandsvermögen oder der Schuldenquote ablesbar ist. Vor allem für die Verlierer-Staaten besteht jedoch seit der Einführung der Gemeinschaftswährung das Problem, dass sie ihre Währungen im Abschwung nicht länger im Alleingang abwerten können.

Der politische Widerspruch liegt für Kaufmann darin, dass sich die Eurostaaten zwar eine gemeinsame Währung gegeben haben, trotzdem aber souveräne Nationalstaaten bleiben. Der Euro markiert nicht das Ende des ökonomischen Nationalismus. Vielmehr verfolgt jeder Staat das Ziel, vom Euro zu profitieren. Der Stabilitätspakt, der Grenzen für Neuverschuldungen und Gesamtverschuldung einzelner Staaten festlegt, und die sogenannte No-Bail-Out-Klausel sind dabei Ausdruck gegenseitigen Misstrauens. Von Anfang an wurden Mechanismen installiert, die die Gewinner vor den Verlierern schützen sollten.

 

Weitere Informationen:

http://www.rosalux.de/news/38928/

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